Zurück in die Zukunft: Die Walzwerk GS X-Plorer

Die Walzwerk GS X-Plorer hat die Diät gemacht, auf die BMW nie gekommen ist. Vom Arbeitspferd zum Wüstenkamel.

Am Anfang stand keine Marketingstrategie, sondern ein Bastelprojekt. Die R 80 G/S wurde von 1980 bis 1987 in Berlin gebaut. Zum ersten Mal konnte man damit ein echtes Reise-Abenteuermotorrad direkt beim Hersteller kaufen. Der Name war Programm: G/S steht für Gelände und Straße. Ein luftgekühlter Boxer, Kardan, ein schlanker Rahmen, wenig Schnickschnack. Ein ehrliches bayerisches Arbeitspferd, das sich im Gelände nicht blamierte und auf der Landstraße nicht nervte.

Dann kam die Wüste. 1981 holte Hubert Auriol den ersten Dakar-Sieg für BMW und wiederholte ihn zwei Jahre später. Danach übernahm der kleine Belgier Gaston Rahier, ein 164 cm großer Motocross-Weltmeister, der sein Bike kaum überragte. Er gewann 1984 und 1985. Beim zweiten Sieg saß er auf einem Boxer mit 75 PS. Aus dem Arbeitspferd war ein Wüstenkamel geworden, und die Rallye-Legende war geboren. 

Gewicht war damals ein Thema, aber kein Problem. Die R 80 G/S brachte 186 kg fahrfertig auf die Waage. Das war handlich, ehrlich und mit einer Hand vom Seitenständer zu heben.

Das Motorrad-SUV mit leichter Adipositas
Dann ging es bergauf, und zwar auf der Waage. Die R 100 GS bekam die Paralever-Schwinge, später folgten Telelever und die 1100er. Die R 1100 GS wog 1994 schon 243 kg. Heute liegen die Zahlen so: Die R 1250 GS bringt 249 kg, die Adventure 268 kg. Die neue R 1300 GS hält bei 237 kg, die Adventure bei 269 kg. Das sind die Werksangaben, fahrfertig und vollgetankt. Dazu kommen Alu-Koffer, Sturzbügel, Zusatzscheinwerfer und Tankrucksack. Wer die Aufpreisliste einmal komplett durchklickt, kratzt schnell an der 300-kg-Marke. Dann steht man vor einem Motorrad-SUV, das man vor dem Wegrollen erst einmal innerlich verhandeln muss.

Das ist kein Vorwurf. Die modernen GS sind technische Meisterwerke. Aber der Geländewagen für zwei Räder ist aus dem Gelände zunehmend verschwunden.

Die Lösung für jeden GS-Freak: Zwei Motorräder

Marcus Walz: Ein Leben mit Schraubenschlüssel
Die X-Plorer ist die logische Fortsetzung dieser Haltung. Als Basis dient die R 100 GS mit 1.000-ccm-Boxer aus den Baujahren 1987 bis 1996, also die letzte GS-Generation mit dem luftgekühlten Zweiventiler. Alle Spenderfahrzeuge haben die Paralever-Schwinge. Daraus entsteht nach Walzwerk-Angaben in der „Pro”-Ausbaustufe ein Motorrad, das in allen Bereichen einem Neufahrzeug entspricht. Motor, Getriebe, Bremsen und Fahrwerk werden mit Neuteilen von Grund auf neu aufgebaut. Viele Komponenten wie Federbeine, Auspuffanlagen, Heckrahmen und Sitzbänke sind Eigenentwicklungen, die exklusiv für die X-Plorer produziert werden.

Zur Wahl stehen zwei Versionen: die Rally mit kleiner Cockpitverkleidung und die Raid mit großer, feststehender Verkleidung samt Schutzbügel. Beide gibt es optional mit einem sehr robusten, abnehmbaren Koffersystem mit umlaufenden Schutzbügeln. Farben von Felgen, Rahmen, Motor und Auspuff bestimmt der Kunde selbst.

Die Zahlen, auf die es ankommt: 67 PS und 188 kg fahrfertig. Das ist fast exakt das Gewicht der R 80 G/S von 1980 und rund 80 kg weniger als eine Adventure von heute. Die Hersteller haben vierzig Jahre lang draufgepackt, hier wurde wieder abgenommen.

Restomod oder Reset?
Technisch ist die X-Plorer ein Restomod: klassische Optik, moderne Teile, neu aufgebaute Substanz. Trotzdem greift der Begriff zu kurz. Ein Restomod verbessert das Alte. Die X-Plorer stellt eine Gegenfrage: Wann war die GS eigentlich am besten, und was wäre gewesen, wenn man ab da nur noch konsequent gut gemacht hätte, statt immer mehr zu machen?

Ein bisschen Reset ist es also schon. Die Reset-Taste wurde gedrückt, aber mit dem Wissen von heute.

WalzWerk GS XPlorer

Die Lösung für jeden GS-Freak: Zwei Motorräder
Und damit zur Lebensweisheit des Hauses. Jeder GS-Fan braucht künftig zwei Motorräder:

  1. Eine R 1300 GS, um sich alle Zubehörtaschen, Lampen, Deckel und Sturzbügel zu kaufen, zu verbauen und liebevoll zu polieren. Das Hobby „Zubehörkatalog” will schließlich gelebt werden.
  2. Eine Walzwerk X-Plorer zum Fahren.

Weitere Diat-Infos unter:
www.walzwerk-motorcycles.de

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