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AF Corse: Das italienische Herzstück von Ferraris Motorsport-Erfolg
Wer in den vergangenen Jahren bei Le Mans, in der WEC oder im GT-Sport nach dem gelben Blitz mit dem springenden Pferd gesucht hat, ist unweigerlich bei einem Namen gelandet: AF Corse. Kein anderes Kundenteam ist so eng mit Ferraris Rennsport-DNA verwoben – und kaum ein Team hat in jüngster Zeit derart konstant Geschichte geschrieben.
Der eigentliche Wendepunkt kam 2006, als sich AF Corse dem Namensvetter Ferrari zuwandte. Von diesem Moment an entwickelte sich das Team schrittweise zum wichtigsten Partner der Scuderia im GT- und Langstreckensport – heute gilt es praktisch als verlängerter Werksarm Maranellos abseits der Formel 1.
Eine Partnerschaft, die Geschichte schreibt
Die Symbiose zwischen Konstrukteur und Rennteam ist längst mehr als ein Zulieferverhältnis. AF Corse bereitet die Fahrzeuge vor, betreut sie im Renneinsatz und bringt jahrzehntelanges Renn-Know-how ein – von den GT2-Erfolgen mit dem Ferrari 430 über den 488 GTE bis zum aktuellen Prototyp 499P.
Und genau dieser 499P hat das Kapitel AF Corse zuletzt in eine neue Dimension gehoben. Seit 2023 tritt das Team mit dem Hypercar in der WEC an – und gewann direkt im Debütjahr die 24 Stunden von Le Mans, den ersten Gesamtsieg Ferraris an der Sarthe seit 1965. Was wie ein einmaliger Glücksgriff hätte wirken können, entpuppte sich als Beginn einer Serie: 2024 wiederholte der Wagen mit der Startnummer 50 den Triumph, ehe 2025 überraschend der privat gemeldete Wagen Nummer 83 mit Robert Kubica, Phil Hanson und Yifei Ye die beiden Werksautos hinter sich ließ. Drei Siege in Folge – ein Erfolg, der Ferrari das Recht einbrachte, die Siegertrophäe dauerhaft zu behalten.
Hier geht es nie nur um Technik oder Perfektion im Detail – sondern um dieses schwer greifbare Gefühl, wenn ein Auto plötzlich mehr erzählt als seine Spezifikation.
Breite Aufstellung, tiefer Fahrerkader
Was AF Corse besonders macht, ist die schiere Bandbreite: Das Team ist gleichzeitig in WEC, ELMS, IMSA, GT World Challenge und weiteren Serien aktiv – von der Hypercar-Klasse bis zur LMGT3 – und das mit einem Fahrerkader, der Weltklasse mit Nachwuchstalenten kombiniert. Namen wie Alessandro Pier Guidi, James Calado, Antonio Giovinazzi, Antonio Fuoco, Miguel Molina oder Nicklas Nielsen stehen für die Konstanz an der Spitze; das Pro-Am- und Silver-Konzept in den GT3-Programmen sorgt zugleich für Nachschub.
Auch abseits der Kernserien bewies das Team Mut zum Experiment: 2021 wagte man gemeinsam mit Red Bull den Sprung in die DTM – ein Projekt, das zeigte, wie flexibel sich das Team auch außerhalb der gewohnten Ferrari-Welt bewegen kann.
Und jetzt?
Mit dem WEC-Herstellertitel 2025 in der Tasche und dem 499P, der praktisch jedes Rennen an der Sarthe seit seinem Debüt gewonnen hat, steht AF Corse aktuell auf dem Höhepunkt seiner Geschichte. Für 2026 rüstet sich das Team bereits für einen möglichen vierten Le-Mans-Sieg in Serie – in einer Hypercar-Klasse, die von Jahr zu Jahr enger und härter umkämpft ist.
Ob Werksteam, Kundeneinsatz oder Privatprojekt – AF Corse hat in drei Jahrzehnten bewiesen, dass Konstanz, technisches Feingefühl und die richtige Fahrerauswahl mehr wert sind als kurzfristiger Glanz. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf dieses Team auch in den kommenden Saisons.

Ron Reichert – ein Kollege, den ich schätze
Wenn bei AF Corse die Boxenstopps in Sekundenbruchteilen sitzen und die Strategie im Renngeschehen aufgeht, steckt dahinter meistens ein Name, der im Hintergrund arbeitet: Ron Reichert. Der Deutsche verantwortet als Sportlicher Leiter und Teammanager zentrale organisatorische und sportliche Entscheidungen im Renneinsatz – von der Koordination während der Events über das Zusammenspiel zwischen Fahrern und Technik bis zur Einhaltung des technischen Reglements.
Ich hatte das Vergnügen, Ron persönlich kennenzulernen – seine ruhige, klare Art beeindruckt mich bis heute. Bevor er zu AF Corse kam, sammelte er jahrelang Erfahrung im Audi-Kundensport in Asien. Beim DTM-Einstieg von AF Corse und Red Bull 2021 war er als sportlicher Kopf mit dabei, und gleich im ersten Jahr holte das Team die Teammeisterschaft. Auch bei den 24 Stunden von Le Mans 2026 zeigte sich die Handschrift seiner Arbeit: Der AF-Corse-Wagen #183 mit François Perrodo, Matthieu Vaxivière und Ben Barnicoat sicherte sich Platz 2 in der LMP2-Pro-Am-Klasse.
Im Jahr zuvor, 2025, war es die LMGT3-Klasse, in der das Team gleich doppelt überzeugte: Platz 2 bei den 24 Stunden von Le Mans und Platz 2 in der FIA WEC LMGT3-Gesamtwertung. Auch 2024 gab es einen besonderen Erfolg zu feiern, als AF Corse beim IMSA-Sechsstundenrennen in Watkins Glen in der LMP2-Kategorie siegte – mit Lilou Wadoux, die damit als erste Frau überhaupt ein IMSA-Prototypenrennen gewann.
Menschen wie Ron sind das Rückgrat eines Teams wie AF Corse – zuverlässig, bodenständig, mit echtem Gespür für den Sport. Schön, ihn im Team zu wissen.
Jürgen Preuss, infact.digital
Copyright: © AFCorse
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