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Kaffeemaschine Motorcycles
Espresso, Eisen, Italophilie. Zu Besuch bei der besten „Kaffeemaschine“ der Welt
The Power Pit trifft Axel Budde, den Mann, der aus alten Moto Guzzis zeitlose Fahrmaschinen macht. Ein Gespräch über schlechte SEO-Entscheidungen, Sehnsucht nach Italien vom Hamburger Hafen aus und darüber, warum „leicht“ das schwerste Wort im ganzen Vokabular ist.
Von Jürgen Preuß
The Power Pit: Axel, fangen wir vorne an. „Kaffeemaschine“. Ehrlich, für die Google-Suche ist das nicht gerade optimal gewählt. Wer sucht „Kaffeemaschine“ und landet bei dir auf Motorrädern statt bei Kapselautomaten?
Axel Budde: (lacht) Ja, danke, das hör ich öfter. Ehrlicherweise habe ich beim Gründen nicht eine Sekunde an SEO gedacht, das kam ja auch erst später richtig in Mode. Der Name ist eigentlich vom Café Racer abgeleitet, und für Café Racer haben sich Guzzis einfach hervorragend geeignet. Ich war und bin bis heute rennsportbegeistert, dieser ganze Café-Racer-Gedanke, minimalistisch, schnell, kompromisslos auf die Strecke gedacht, das war für mich schon immer die eigentliche Faszination. Der Name war also einfach da, er hat sich angefühlt wie das Ding. Und mal ehrlich, wenn man sich einmal durchgeklickt hat, vergisst man ihn nicht wieder. Das ist doch am Ende mehr wert als Platz eins bei „bester Kaffeevollautomat 2026“.
The Power Pit: Zumindest hat man ihn nicht mit tausend anderen Custom-Buden verwechselt, die
alle irgendwas mit „Speed“, „Iron“ oder „Garage“ im Namen tragen.
Axel Budde: Genau. Lieber einmal falsch verlinkt als hundertmal austauschbar.
The Power Pit: Bleiben wir bei Italien, ohne Espresso-Kalauer. Warum ausgerechnet Moto Guzzi? Woher kommt diese Begeisterung für die italienische Kultur, für das Design?
Axel Budde: Es ist diese Mischung, die es sonst nirgendwo gibt. Die Italiener bauen Dinge nicht nur, damit sie funktionieren, sondern damit sie eine Haltung haben. Eine Guzzi ist konstruktiv eigentlich stur, fast bockig: Der Längsmotor, die Kardanwelle, dieses ganze Layout ist speziell. Aber genau aus dieser Sturheit entsteht ein Charakter, den man sofort erkennt, mit geschlossenen Augen am Klang. Das ist für mich echtes Design: nicht Dekoration, sondern eine ehrliche technische Entscheidung, die am Ende auch noch schön aussieht.
The Power Pit: Gibt es italienische Designer, die dir dabei als Vorbild dienen?
Axel Budde: Ich bin da weniger der Typ, der sich an einem einzelnen großen Namen abarbeitet. Mich interessiert eher diese ganze italienische Schule des Reduzierens, dieses Gespür dafür, wann ein Bauteil fertig ist, nicht weil man nichts mehr hinzufügen könnte, sondern weil man nichts mehr wegnehmen kann. Das zieht sich durch die italienische Auto- und Motorradgeschichte wie ein roter Faden, von den großen Karosseriebauern bis zu den Guzzi-Konstrukteuren, die in den Sechzigern und Siebzigern gearbeitet haben. Diese Haltung ist mein eigentliches Vorbild, mehr als eine einzelne Unterschrift.
The Power Pit: Und dann baust du diese pure italienische Leidenschaft ausgerechnet in Hamburg, vermutlich der maximal denkbaren Entfernung, die man in Deutschland von Italien haben kann.
Axel Budde: (grinst) Weiter nördlich geht’s kaum, das stimmt. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Wenn du direkt am Gardasee sitzt, ist Italien Alltag. Hier oben, zwischen Hafenkränen und Nordseewetter, wird Italien zur Sehnsucht. Und aus Sehnsucht entstehen die interessanteren Dinge als aus Alltag. Außerdem: Guter Kaffee lässt sich überall kochen, wenn man die richtige Maschine hat.
The Power Pit: Kommen wir zur Technik. Bei euren Umbauten steckt wahnsinnig viel Entwicklungsarbeit in Details, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht. Schlank, leicht, „Fahrmaschine“ statt Show-Bike, ein Fahrbild, das fast schon aerodynamisch elegant wirkt. Wie entstehen diese Maschinen? Setzt du dich hin und entwirfst sie frei, oder kommen die Kunden mit einer Idee auf dich zu und ihr entwickelt das gemeinsam?
Axel Budde: Beides, aber am Ende entscheidet immer die Linie, nicht der Kompromiss. Ein Kunde kommt mit einer Sehnsucht, mit einer Basis, manchmal mit einem Foto, das er seit Jahren auf dem Handy mit sich rumträgt. Daraus entwickeln wir gemeinsam ein Konzept. Aber die eigentliche Formfindung, das Zusammenspiel aus Tank, Sitzbank, Rahmenlinie, das passiert bei mir im Kopf, über Wochen, manchmal Monate, bevor überhaupt ein Blech geschnitten wird. Leicht und schlank ist dabei kein Stil-Gimmick, das ist eine technische Entscheidung. Jedes Gramm, das man weglässt, muss man später nicht beschleunigen, bremsen oder um die Kurve tragen. Das spürt man auf der Straße sofort: Die Maschinen fühlen sich an, als würden sie sich selbst tragen.
The Power Pit: Apropos wunderschön: Bei „Kaffeemaschine“ hört das ja nicht bei den Motorrädern selbst auf. Die Kampagnen zu den Maschinen 49 und 50 waren in Bild und Video absolut auf einem anderen Level als das, was man sonst aus der Motorradbranche kennt. Gab es dafür eigentlich Auszeichnungen?
Axel Budde: Einen klassischen Award mit Trophäe hatten wir dafür nicht, das war auch nie das Ziel dahinter. Aber die eigentliche Auszeichnung war für mich, wie die Kampagne gelesen und geteilt wurde: von Leuten, die sonst mit Motorrädern gar nichts am Hut haben. Wenn ein Fotograf oder ein Kreativer aus einer ganz anderen Branche anruft und sagt „das ist das Schönste, was ich diese Saison gesehen habe“, ist das für mich mehr wert als eine Medaille. Wir haben bei der Bildsprache nie gedacht „wie macht man das in der Motorradwelt“, sondern eher „wie würde man das für ein Uhren- oder Modehaus machen“. Diese Distanz zur eigenen Branche war, glaube ich, genau der Punkt, der die Kampagne hat abheben lassen.
The Power Pit: Die konsequente Weiterentwicklung davon ist die Maschine 51: „Bonanza“. Hier wird die Leichtigkeit des Seins fast schon zum Programm. Wer die Maschine sieht, sieht förmlich das Meer im Hintergrund, den Strand, die Sonne. Für mich einer der schönsten Umbauten überhaupt, gerade weil die Basis, eine V7, eigentlich eher als bodenständig, fast schwerfällig gilt. Wie ist die Bonanza entstanden?
Axel Budde: Die V7 ist tatsächlich eine spannende Ausgangsbasis, weil sie von Haus aus eher gemütlich, fast bieder daherkommt. Genau da lag der Reiz: zu zeigen, dass Leichtigkeit keine Frage des Hubraums oder des Gewichts auf dem Papier ist, sondern eine Frage der Proportion und der Haltung. Bei der Bonanza haben wir konsequent alles rausgenommen, was nicht zur Idee „Fahren, Sonne, Salzluft im Gesicht“ passt. 850 Kubik, 70 PS, 159 Kilo – das klingt auf dem Datenblatt fast unspektakulär. Aber wenn du draufsitzt, spürst du sofort, dass hier jedes Detail für genau ein Gefühl konstruiert wurde.
The Power Pit: Wie geht’s weiter? Was dürfen wir von euch noch erwarten?
Axel Budde: Wir bleiben unserer Linie treu: kleine Stückzahlen, große Sorgfalt, keine Kompromisse an die Serie. Es wird weitere Einzelstücke geben, jedes mit einer eigenen Geschichte und einer eigenen Basis, wieder mit dem Anspruch, dass man sie am Klang erkennt, bevor man sie sieht. Mehr verrate ich noch nicht, aber so viel: Es bleibt italienisch im Herzen und norddeutsch in der Werkstatt.
The Power Pit: Axel, vielen Dank für den Espresso, die Zeit, und dafür, dass du uns gezeigt hast, dass man auch aus Hamburg heraus die schönsten italienischen Geschichten erzählen kann.
Axel Budde: Sehr gerne. Und denkt dran: Der Name ist Programm. Kommt vorbei, der Cappuccino aus der ’64er ist besser als jeder Marketing-Claim.
Kaffeemaschine Motorcycles GmbH baut in
Hamburg-Wilhelmsburg handgefertigte Einzelstücke auf Basis klassischer Moto Guzzis.
Jürgen Preuss, infact.digital
Copyright: © Kaffeemaschine Motorcycles GmbH
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