- The Power Pit
- Gestern war heute noch morgen.
Gestern war heute noch morgen.
Es gibt Autos, die man fährt. Und es gibt Autos, die entscheiden, ob sie einen fahren lassen. Die Cobra war von Anfang an Letzteres – und stolz darauf.
Es begann 1961 mit einem pensionierten Texaner, dem das Stillsitzen schlicht nicht in die Gene geschrieben war. Carroll Shelby – Le-Mans-Sieger, ehemaliger Hühnerfarmer und der einzige Mensch, der Ford und AC Cars gleichzeitig um den Finger wickeln konnte – hatte eine Idee von bestechender Schlichtheit: Er schlug dem britischen Hersteller AC Cars vor, einen amerikanischen Achtzylinder in das elegante Chassis des AC Ace einzubauen.
British Finesse trifft texanischen Irrsinn. Was dabei herauskam, war weniger ein Auto als eine
diplomatische Provokation auf vier Rädern. Die AC Cobra 260 rollte 1962 mit einem 4,3-Liter-V8 auf die Straße – 264 PS, 916 Kilogramm, kein Teppich, keine Klimaanlage und keinerlei Interesse daran, es dem Fahrer bequem zu machen. 1965 kam der 427 mit sieben Litern Hubraum und
425 PS – schnell genug für einen Eintrag ins Guinness-Buch als schnellstes Straßenauto der Welt, über 290 km/h, ganz ohne Spoiler, Downforce oder Vernunft. Ein Auto, das Ferrari schluckte und Corvettes zum Dessert hatte. Und dann, irgendwann, war es vorbei. Die Produktion endete, die Legende blieb – auf Auktionen, in Garagen, und in den Träumen all jener, die schlicht zu spät auf die Welt gekommen waren.
AC Cars hat nicht einfach ein Auto wiederbelebt. Sie haben eine ganze Ära zurückgeholt
Bis jetzt.
Seit 2022 führt der schweizer Unternehmer David Conza AC Cars, und was seitdem passiert ist, lässt sich am besten als stille, aber sehr entschlossene Rückkehr beschreiben. Nicht nur die AC Cobra ist zurück – die gesamte Familie ist es. Und weil AC Cars seit 125 Jahren (gegründet 1901) bewiesen hat, dass Understatement ihre Lieblingsform der Angeberei ist, haben sie es gleich richtig gemacht.
Den Anfang macht der AC Cobra GT Roadster – das Herzstück der Rückkehr. Das Ergebnis von über sechs Jahren intensiver Entwicklung, ein von Grund auf neu konzipierter Sportwagen, der den Geist des Originals
bewahrt, ihn aber mit dem konfrontiert, was die Moderne an Materialien und Performance zu bieten hat. Unter der geschwungenen Carbonhaut sitzt ein Aluminium-Space-Frame, im Bug der Ford-Coyote-V8 mit fünf Litern Hubraum – in der Kompressor-Variante 663 PS und die ehrliche Aussicht, in 3,4 Sekunden auf 100 zu sein, ob man dafür bereit ist oder nicht. Wer sich noch mehr Dach über dem Kopf wünscht –
ohne dabei weich zu werden – greift zum AC Cobra GT Coupé.
Inspiriert vom legendären AC A98 Le Mans-Rennwagen von 1964, teilt es Chassis und Antrieb mit dem Roadster, bringt aber ein geschlossenes Dach mit Kammtail-Heck mit, das die Aerodynamik verbessert und nebenbei so gut aussieht, dass man sich fast schämt, darüber sachlich zu schreiben.
Doch AC wäre nicht AC, wenn sie es dabei beließen. Mit der neu gegründeten AC Classics Division kehren nach 61 Jahren auch der AC Ace Classic und der AC Ace Bristol Classic zurück – das Fahrzeug, das der Cobra überhaupt erst das Leben schenkte. Der Ace Classic greift die schlankere Front der späten Originale auf, die auch die erste AC Cobra trug, während der Ace Bristol Classic mit dem charakteristischen „Smiling Face“-Kühlergrill der frühen 1950er-Jahre antritt – zwei Gesichter, eine Seele. Beide Modelle tragen eine Carbonkarosserie, werden von einem Motor mit über 300 PS angetrieben und wiegen dabei gerade einmal 1.100 Kilogramm.
Wer hingegen lieber lautlos fährt, aber trotzdem laut ankommen möchte, findet im AC Ace Classic Electric seine Wahl – ein Modell, das beweist, dass man für elektrischen Antrieb keine Überzeugung, sondern lediglich die richtige Karosserie braucht. Limitiert auf 49 Exemplare und damit so rar wie ein Brite, der sich in einer Schlange vordrängelt.
AC Cars hat nicht einfach ein Auto wiederbelebt. Sie haben eine ganze Ära zurückgeholt – mit Carbonkarosserie, ohne Entschuldigungen und mit der britischen Selbstverständlichkeit, die nur jemand ausstrahlen kann, der schon seit 1901 dabei ist. Wer die Geschichten der AC Cobra und des AC Ace bisher nur kannte, kann sie jetzt selbst er·fahren – in welcher Form auch immer die Schlange zubeißen soll.
ac.cars
Jürgen Preuss, infact.digital
Copyright: AC Cobra
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