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Einmal Rennschmiede. Für immer dabei
Warum Formula Student weit mehr ist als ein Hochschulprojekt – und aus Studierenden eine Gemeinschaft fürs Leben macht.
Es beginnt oft mit einem neugierigen Blick in die Werkstatt. Ein paar Studierende, die an einem Rennwagen schrauben. Ein bisschen Technik. Ein bisschen Motorsport. Klingt überschaubar. Bis man genauer hinschaut.
Denn Formula Student ist kein gewöhnliches Hochschulprojekt. Es ist ein Ausnahmezustand auf vier Rädern. Eine Mischung aus Ingenieurskunst, Adrenalin, Leidenschaft und Teamgeist, die Menschen in ihren Bann zieht. Und zwar dauerhaft. Wer einmal Teil der Rennschmiede Pforzheim war, spricht selten von einer Station im Studium. Viel häufiger ist von einer Erfahrung die Rede, die prägt. Von Nächten in der Werkstatt. Von Rückschlägen, die gemeinsam überwunden werden. Von Erfolgen, die sich plötzlich größer anfühlen als jede bestandene Klausur.
Die Studierenden entwickeln ihre Fahrzeuge von Grund auf selbst. Vom ersten Konzept bis zur letzten Schraube. Der aktuelle Rennwagen RSP26 Aquamarine steht exemplarisch für diesen Anspruch. Neues Monocoque, neues Fahrwerkskonzept, weiterentwickelte Aerodynamik, eine neue Ausbaustufe des Allradantriebs sowie ein noch stärkerer Fokus auf Simulation und Fahrdynamikregelung zeigen, auf welchem technischen Niveau gearbeitet wird.
Das Besondere: Hier entstehen nicht nur Rennwagen. Hier entstehen Persönlichkeiten.
Beeindruckend ist dabei vor allem, wer hinter diesen Entwicklungen steht: Studierende. Junge Menschen, die neben Vorlesungen und Prüfungen Projekte stemmen, für die in der Industrie ganze Abteilungen zuständig sind. Sie konstruieren Bauteile, entwickeln Software, organisieren Sponsoren, planen Budgets, koordinieren Fertigungsprozesse und präsentieren ihre Konzepte vor internationalen Jurys.
Die Rennschmiede Pforzheim beweist dabei, dass Erfolg keine Frage der Teamgröße ist. Obwohl das Team vergleichsweise klein ist, entstehen technisch anspruchsvolle Lösungen auf höchstem Niveau. Rund 40 Prozent Frauenanteil, die enge Zusammenarbeit von Technik-, Wirtschafts- und Designstudierenden sowie die vollständige Eigenfinanzierung verleihen dem Projekt eine besondere Dynamik.
Doch genau darin liegt auch die Herausforderung. Enge Zeitpläne, Lieferengpässe, komplexe Abstimmungen zwischen Mechanik, Elektronik, Software und Aerodynamik sowie der ständige Wissenstransfer an neue Teammitglieder verlangen den Beteiligten einiges ab. Und vielleicht entsteht genau dort die eigentliche Magie. Denn wenn aus unzähligen Arbeitsstunden ein funktionierender Rennwagen wird, wenn das Fahrzeug zum ersten Mal die Box verlässt und aus Monaten der Entwicklung plötzlich Geschwindigkeit wird, entsteht ein Moment, den viele ehemalige Teammitglieder nie vergessen.
Die Geschichte der Rennschmiede liefert dafür genügend Belege. Seit der Gründung im Jahr 2009 entstanden bereits 13 Rennfahrzeuge. Der Schritt vom Verbrenner zum Elektrofahrzeug markierte einen technologischen Meilenstein.
Der RSP25 Rosequartz markierte eine neue Ära: Zum ersten Mal schickte die Rennschmiede ein Allradfahrzeug ins Rennen. Die großen sportlichen Erfolge der vergangenen Saison wurden jedoch mit dem RSP24 Jade eingefahren. Starke Auftritte bei den internationalen Formula-Student-Wettbewerben in Frankreich, Tschechien und der Schweiz gipfelten im zweiten Gesamtrang bei der Formula Student France 2025 – bis heute eines der erfolgreichsten Kapitel der Teamgeschichte. Die enge Zusammenarbeit von Technik-, Wirtschafts- und Designstudierenden sowie die vollständige Eigenfinanzierung zeichnen das Projekt besonders aus.
Doch die größte Stärke der Rennschmiede lässt sich weder in Sekunden noch in Platzierungen messen. Sie zeigt sich in ehemaligen Mitgliedern, die Jahre später noch unterstützen. In Freundschaften, die weit über das Studium hinaus bestehen. Und in der Begeisterung, die spürbar bleibt, lange nachdem der Motor verstummt ist.
Oder, um es mit einem Satz zu sagen:
Einmal Rennschmiede. Für immer dabei.
Jürgen Preuss, infact.digital
Copyright: Rennschmiede Pforzheim
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